Fasnet-Speisen

Bräuche und mehr

                

Alte Bräuche in der Fastnachtszeit gibt es viele. Da sind die Umzüge, die Weiberfastnacht, Kappensitzungen mit den Büttenreden, Fastnachtsspiele und manches andere mehr.
Aber auch viel Aberglauben gab es - oder gibt es noch?!
Jäger und Waldarbeiter gingen z. B. in diesen Tagen nicht in den Wald - sie fürchteten den Teufel, der dann sein Unwesen treiben sollte. Der erste Samen musste in der Fastnacht, also in der Nacht zum Aschermittwoch, aber noch vor Mitternacht ausgesät werden. Wer seine Obstbäume bis dahin nicht geschnitten hatte, konnte keinesfalls mit einer guten Ernte rechnen. Und wer dem Fuchs nichts vom Gebackenen abgab, der musste das ganze Jahr mit dessen Besuch im Hühnerstall rechnen.
Damit sind wir dort angelangt, womit eigentlich jeder die Fastnacht verbindet - mit dem Fett- und Schmalzgebäck.

                

 

                

Das Fett der frühen Jahre

                

Schmalz - es gab Zeiten, da waren die Leute verrückt danach. Es stand für Körperkraft und Winterwärme. Seine Kalorien sicherten das Überleben.
Dass wir es noch immer in der Fasnetsbäckerei finden hat einen Grund.

                

Warum gibt es sie aber gerade dann so viel?
Schmalzgebäck ist ein Relikt aus alten Zeiten. Als noch der Glaube das Leben im Abendland regelte, bereiteten sich die Menschen auf die Kirchenfeste durch mehr oder minder langes Fasten vor. Von diesen Festen gab es im Jahr so viele, dass etwa ein Drittel aller Tage Fastentage waren. Dann waren Fleisch, Fröhlichkeit und Fleischeslust tabu. Wenn aber eine Fastenzeit, wie die vor Ostern, dar 40 Tage dauerte, wurden alle verderblichen Fleischwaren vorab auf den Kopf gehauen. Schmalz gehörte zu diesen verderblichen Waren. Das ausgelassene Fett der im Dezember geschlachteten Schweine drohte ranzig zu werden - was nach zwei Monaten Winterküche noch übrig war, wurde in einer Fressorgie verbraucht.

                

Da das Geschäft der Schmalzbäcker immer nur periodisch lief, war es nichts für sesshafte Leute. Schmalzbäcker galten als Parias - sie waren fahrendes Volk, von vielen schikaniert. Sie zogen vom Jahrmarkt zur Kirmes zum Rummel - von einem Fest zum anderen, von den Brotbäckern skeptisch beäugt und reglementiert. (Parias sind, nach Böttgers Fremdwörterbuch von 1873, im übertragenen Sinne »elende, verkommene Menschen«, Ausgestoßene, Schuldige, Kriminelle.)

Dass die Leute vor der Fastenzeit schnell auch noch alles Bier austranken und einander vor so einer langen Periode der Keuschheit anbaggerten, lag nah. Fässer leeren, Schmalzgebäck essen und Leute anbaggern ist bis heute Teil des Karnevals geblieben.
Nur den Blasius -Segen und das Stirnkreuz am Aschermittwoch holt sich heute kaum noch wer - wenn überhaupt noch einer weiß, wer St. Blasius ist. (der Schutzpatron der Halskranken)

                

Schmalz ist ein tierisches Fett voll gesättigter Fettsäuren, eine Cholesteringranate. Doch für die Zubereitung bestimmter Speisen ist es auch heute kaum entbehrlich.
Schmalzgebäck gehört nicht unbedingt dazu, denn auch in Pflanzenöl kann man es sehr gut ausbacken. Kohlgerichte aber schmecken mit Schweine- oder Gänseschmalz besser.
Auch Bratkartoffeln werden, mit Schmalz zubereitet, krosser und goldgelber